Ein Schauspieler oder Lehrer stellt möglicherweise nach monatelanger Arbeit fest, dass sein Gehirn und sein Körper müde und träge geworden sind. Er fühlt, dass er keine Idee hat wie er seinem Publikum gegenübertreten soll. Doch durch eine Willensanstrengung kann er diesen Zustand schnell überwinden und von Trägheit zu geistiger Wachsamkeit und Gedankenkraft wechseln. Das Selbst ist nie müde. Nur der leibliche Körper wird müde. Es ist wahr, dass er seine Grenzen hat und nicht überlastet und überladen werden sollte, so wie ein Esel manchmal überfrachtet wird. Das Urteilsvermögen sollte immer dazu verwendet werden, um die eigene Belastbarkeit für die Arbeit zu bestimmen.
Die Sache, die es zu tun gilt, sollte nie schleppend getan werden, sodass die körperliche Trägheit die Arbeit ruiniert. Wir sollten vollständig wach sein, anstatt “tot” zu sein, während wir herumlaufen. Wenn eine Person sich entschließt der Herr des Körpers zu sein, wird sie bald die Kräfte erwerben, um ihn zu Aktivität und Aufmerksamkeit zu allen Stunden zu bewegen. Es ist sehr wichtig den Dingen Aufmerksamkeit zu geben, die den Geist auf richtige Weise ansprechen, und den Willen zu steigern und zu kontrollieren. Ist nicht dieses “Aufmerksam-sein” das, was die Verbindung zwischen dem Ich und der äußeren Welt bereitstellt? Aufmerksamsein ist ein bewusster Vorgang.
Die Person, die darin scheitert aufmerksam zu sein, verfehlt den Sinn des Lebens und wirft kostbare Zeit und Gelegenheit weg. Aufmerksam zu sein, heißt lebendig und wach zu sein und sich in einem Zustand zu befinden, durch den man das Meiste aus seinem Leben machen kann. Dennoch können viele Menschen nicht einmal bei einem Gespräch anhaltende Aufmerksamkeit halten. Oder sie sind nicht in der Lage den Geist mit Genauigkeit zu lenken und eine einfache Tatsache zu erklären ohne ziellos herumzuwandern und viele beiläufige Dinge einzufügen, die unwichtig sind und alles nur noch komplizieren.
Eine solche Gewohnheit des Geistes sollte zurückgedrängt werden, da sie beim persönlichen Wachstum nur im Wege steht. Die Aufmerksamkeit sollte bewusst auf die Sache konzentriert werden, um die es geht - unabhängig davon was dies sei. Ob es ein Buch, ein Gespräch, eine Aufgabe oder die Lösung eines Problems ist, so sollte es die ungeteilte Aufmerksamkeit des Geistes haben, bis dieser nicht für etwas anderes zur Verfügung steht - absolut nichts sollte zwischen der Arbeit und der mentalen Konzentration stehen. Die meisten von uns geben einer Aufgabe nicht die konzentrierte Aufmerksamkeit, die ihre Effektivität beweisen und zeigen kann, dass mit ihr eine subtile Kraft einhergeht.
Wenn man zehn Minuten auf eine Arbeit verwendet werden und andere Gedanken ständig stören, sodass von diesen zehn Minuten nur in fünf tatsächlich gearbeitet wurde, ist das Ergebnis nur die Hälfe dessen, was erreicht worden wäre, wenn es keine Störungen gegeben hätte. Die Zeit, die man mit schwankender Aufmerksamkeit verbringt, ist im Grunde vergeudet. Die Verbindung zwischen dem Geist und dem Thema war nicht vollkommen. Sie waren sozusagen nicht im Einklang. Die Aufmerksamkeit muss solange beibehalten werden bis sie zur Konzentration wird. Der Geist muss so genutzt werden wie eine Lupe verwendet wird. Hält man das Glas einfach zwischen die Sonne und das Papier, dann passiert nichts. Es entsteht nur ein gelber Kreis auf dem Papier, das ist alles.
Doch bringt man die Lupe in der richtigen Winkel und konzentriert die Strahlen auf einen winzigen Punkt, dann wird das Papier braun und fängt schleißlich an zu brennen. Die Strahlen sind gleich geblieben - sie haben sich in keiner Weise verändert. Nur durch ihre Fokussierung auf eine Stelle, entsteht ein Ergebnis. Bei den geistigen Kräften ist es nicht anders. Der Geist muss unter eine vollständige Kontrolle des Willens gebracht werden, damit man ihn wie das Sonnenlicht fokussieren und seine Richtung bestimmen kann.
Die dritte Eigenschaft, die man für persönliches Wachstum benötigt, ist ein scharfer Verstand. Die Kraft des Verlangens, geführt vom Willen, muss durch einen aufgeweckten Geist unterstützt werden. Gute Vorsätze und Absichten spielen zwar eine wichtige Rolle, aber sie können die Notwendigkeit zu Denken nicht ersetzen. Es gibt Dinge, die man wissen muss, und dieses Wissen muss angewendet werden, oder man wird Schwierigkeiten bekommen, ganz gleich wie edel die Motive für die Handlungen sind.
Nehmen wir zum Beispiel zwei Männer, die ein dunkles und schwieriges Gelände durchqueren möchten. Der eine ist böse und wird ein Haus ausrauben und wenn nötig jeden töten, der ihm in den Weg kommt. Seine Absichten sind sehr böse, aber er weiß viel über das gefährliche Gelände, das er durchquert, und wird deshalb sicher am Ende ankommen. Der andere Mann hat die besten Absichten. Er wird die Nacht mit einem obdachlosen und kranken Mann verbringen und jedem helfen. Doch er hat keine Ahnung vom rauhen und heimtückischen Gebiet, das er in der Dunkelheit überqueren muss, und seine guten Absichten werden ihn nicht davor bewahren über Steine zu stolpern oder in einen Graben zu fallen und seinen Arm zu brechen.
Gute Absichten sind nicht genug! Fortschritt beim persönlichem Wachstum ist ohne Wissen unmöglich. Doch wie kann man einen scharfen, wachen Verstand erwerben, wenn man ihn nicht schon besitzt? So wie jede andere Fähigkeit oder Kraft kann auch diese entwickelt werden. So wie die körperliche Stärke durch regelmäßige Übungen der Muskeln gesteigert werden kann, so kann auch die geistige Kraft durch systematische Arbeit aufgebaut werden. Man sollte das Denken trainieren. Dazu nimmt man sich eine bestimmte Zeit des Tages, und wenn es nur eine Viertelstunde ist, um nachzudenken. Ein Buch zu einem ernsthaften Thema ist ein geeigentes Mittel, aber das bloße Lesen und Akzeptieren der Ansichten des Autors, wird wenig Nutzen liefern.
Man muss mit Unterscheidung lesen und die erhaltenen Idee so aufnehmen wie ein Geschworener die Aussage eines Zeugen aufnimmt, indem er sie unter den bekannten Fakten analysiert, aus anderen Blickwinkeln betrachtet, sorgfältig abwägt und durch seine Vernunft akzeptiert oder verwirft. In einer solchen Betrachtung für das intellektuelle Wachstum kann jeder Absatz für sich untersucht werden und nur ein kleiner Teil der Zeit sollte für das tatsächliche Lesen aufgewendet werden, sondern auf das Denken über das Gelesene. Ein besonders nützliches Feld für diese Studien ist das der Persönlichkeitsentwicklung und des persönlichen Wachstums, denn durch die intensive Beschäftigung damit trainiert man nicht nur seine Intelligenz, sondern wächst und entwickelt sich weiter.

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